Commerzbank-Magazin ideas: "Langfristig von Aktien profitieren", Beitrag von Michael Krogmann, Head of Cash Market Sales & Partner Markets, Deutsche Börse AG

18. Jul 2017

Commerzbank-Magazin ideas: "Langfristig von Aktien profitieren", Beitrag von Michael Krogmann, Head of Cash Market Sales & Partner Markets, Deutsche Börse AG

Michael Krogmann, Head of Cash Market Sales & Partner Markets,
Deutsche Börse AG

Michael Krogmann ist im Kassamarkt der Deutsche Börse AG verantwortlich für das Department Cash Market Sales & Partner Markets. Darüber hinaus ist er Mitglied der Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse. Das Interview erschien erstmals in der Ausgabe 07/2017 des Commerzbank-Magazins ideas.

In den letzten Jahren hat der deutsche Aktienmarkt eine überaus erfreuliche Entwicklung genommen und konnte zuletzt sogar ein neues Allzeithoch markieren. Trotzdem liegen Milliarden von ersparten Euros auf niedrig oder gar nicht verzinsten Spar- oder Tagesgeldkonten. Ist das Bedürfnis nach (vermeintlicher) Sicherheit so groß, dass viele bereit sind, auf Rendite zu verzichten?

Die Deutschen sind nun mal ein Volk der Sparer und neigen dazu, Risiko zu meiden. Das kann daran liegen, dass sie vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht haben, oder dass sie eine nächste Krise scheuen. Das ändert aber nichts daran, dass Aktien auf lange Sicht erhebliche Rendite-Vorteile gegenüber dem klassischen Sparbuch oder dem Tagesgeld-Konto bringen, gerade im aktuellen Niedrigzins-Umfeld.

Deshalb sollten Aktien auf jeden Fall Bestandteil der Altersvorsorge sein. Doch nicht einmal sieben Prozent der Deutschen sind direkt in Aktien investiert. Nimmt man indirekte Investments über Fonds hinzu, sind wir bei 14 Prozent. Andere Länder sind uns da weit voraus, in Japan liegt die Aktionärsquote bei 28 Prozent, in den Niederlanden gar bei 30 Prozent.

Das Vorurteil der Aktie als „Zockerpapier“ hält sich hartnäckig. Wie können solche Vorurteile abgebaut werden?

Allein durch Aufklärung. Wir dürfen nicht müde werden, immer wieder über die Themen Altersvorsorge, Geldanlage und die Rolle der Börse zu informieren. Und dabei müssen wir alle Kanäle nutzen, um die Menschen zu erreichen – online wie offline. Bei der Altersvorsorge geht es um langfristiges Sparen, nicht um Zockerei. Zahlen des Deutschen Aktieninstituts zeigen, das Geldanlagen in Aktien der größten deutschen Unternehmen zwischen 1964 und heute immer für eine positive Rendite gesorgt haben, sobald ein Anleger mehr als 14 Jahre investiert war. Wer also regelmäßig einen Teil seines Geldes in Aktien spart und die Investments auch breit streut, der profitiert langfristig. Einerseits über die Dividende, andererseits über mögliche Kurssteigerungen an der Börse.

In welcher Rolle sehen Sie die Börse bei der Aufklärungsarbeit?

Als Börsenbetreiber haben wir nicht nur eine volkswirtschaftliche, sondern auch eine edukative Aufgabe. Uns ist wichtig, dass Anleger informierte Entscheidungen treffen. Und auch wer mit Wertpapieren nichts am Hut haben möchte, sollte diese Entscheidung informiert treffen. Unser Angebot ist breit: Erst frisch gestartet ist zum Beispiel unsere Wissensplattform unter deutsche-boerse.com/digitales-lernen, die in verschiedenen Kapiteln sowohl Einsteiger als auch erfahrene Anleger mit Börsenwissen versorgt. Dann ist unser Privatanleger-Portal boerse-frankfurt.de zu nennen, auf dem wir unter anderem Kursinformationen und Infos zu den börsennotierten Unternehmen anbieten. Und eine ganz entscheidende Rolle spielt nach wie vor unser Handelssaal in der Frankfurter Innenstadt, der einzige seiner Art in Europa. Hier bieten wir kostenfreie Besuche und Vorträge an.

Glauben Sie, dass bei einem weiteren Anhalten der Niedrigzinsphase das Umdenken schneller einsetzt?

Zumindest bin ich mir sicher, dass sich immer mehr Leute fragen, was denn die Alternative zu Sparbuch und Tagesgeld ist. Die Menschen suchen im Niedrigzins-Umfeld sicherlich aktiver, deshalb ist es umso wichtiger, dass wir sie sachlich informieren und Chancen wie auch Risiken deutlich machen.

Vor einigen Jahren hat die Deutsche Börse in Kooperation mit diversen Direktbanken den „Tag der Aktie“ ins Leben gerufen. Können Sie unseren Lesern erklären, worum es sich dabei handelt?

Mit dem Tag der Aktie wollen wir die Popularität der Aktie in der Bevölkerung steigern. Mittlerweile ist das ein fester Termin im Kalender, der 16. März gehört der Aktie. Bereits in den Wochen zuvor informieren wir verstärkt über die Bedeutung der Aktie, insbesondere im Bezug auf die Altersvorsorge. An diesem Tag können Anleger DAX-Aktien und DAX-ETFs entgeltfrei handeln. Alle beteiligten Broker und auch wir verzichten auf die üblicherweise anfallenden Entgelte. Der Tag bekommt viel Aufmerksamkeit, das sehen wir auch an den Handelsumsätzen.

Was raten Sie Privatanlegern die denken, dass Aktien bei einem kleinen Anlagebetrag nicht in Frage kommt?

Dass sie kein Vermögen brauchen, um über Aktien für das Alter vorzusorgen! Eine gute Einstiegsmöglichkeit sind zum Beispiel Sparpläne, über die Anleger in Fonds oder ETFs investieren können, also indirekt in Aktien. Das ist in der Regel ab 20 Euro im Monat möglich und hilft, auf lange Sicht etwas zur Seite zu legen. Ich empfehle sogar, möglichst früh damit anzufangen, denn es geht ja um den langfristigen Vermögensaufbau. Einige Menschen können vielleicht schon während der Ausbildung damit anfangen, andere mit dem ersten festen Job.

Das Thema Börse & Geldanlage spielt bis dato im Schulunterricht noch kaum eine Rolle. Sollten Ihrer Meinung auch schon Jugendliche an das Thema herangeführt werden?

Wir sollten es nicht dem Zufall überlassen, ob unsere Kinder in der Lage sind, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen oder nicht. Baden-Württemberg hat es vorgemacht und das Schulfach Wirtschaft verpflichtend eingeführt. Auch wir setzen uns dafür ein, dass in Schulen flächendeckend über die wichtigen wirtschaftlichen Zusammenhänge gesprochen wird. Dabei spielt das Thema Börse natürlich eine Rolle, beispielsweise wenn es um die Finanzierung von Wachstum und damit letztlich auch um Arbeitsplätze in unserem Land geht. Unter den jährlich bis zu 40.000 Besuchern in unserem Handelssaal in Frankfurt sind übrigens auch tausende Schüler. Doch ganz oft zeigt sich: Wer sich nicht im Vorfeld im Unterricht mit dem Thema beschäftigt hat, der schaltet schon ab, bevor er die Börse betreten hat. Deshalb gehört das Schulfach Wirtschaft flächendeckend auf den Stundenplan.