Deutsche Börse Photography Foundation zeigt zwei neue Ausstellungen: „Us and Them“ und „Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2021“

Datum: 08. Jun 2021 | Deutsche Börse Photography Foundation

Deutsche Börse Photography Foundation zeigt zwei neue Ausstellungen: „Us and Them“ und „Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2021“

- Programm ist Teil der Fotografietriennale RAY 2021
- Beide Ausstellungen vom 5. Juni bis 19. September 2021 in The Cube, Frankfurt/Eschborn zu sehen
- Ausstellungsbesuch im Rahmen von Führungen und am „Open Saturday“ am 19. Juni 2021

Die Deutsche Börse Photography Foundation präsentiert als Ausstellungspartner und Förderer der vierten internationalen Triennale RAY Fotografieprojekte 2021 Frankfurt/Rhein-Main zwei neue Ausstellungen. „Us and Them“ greift das diesjährige Thema der Triennale, Ideologien, auf und zeigt vier fotografische Positionen, die sich mit Identitätsbildung durch Abgrenzung beschäftigen. Zeitgleich ist die Ausstellung der vier Finalist*innen des „Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2021“ zu sehen. Beide Präsentationen werden vom 5. Juni bis 19. September 2021 in der Unternehmenszentrale der Deutschen Börse, The Cube, in Frankfurt/Eschborn gezeigt.

„Us and Them“

„Us and Them“ widmet sich verschiedenen Gemeinschaften, deren Identitätsbildung dem Prinzip der Abgrenzung und somit auch dem der Ausgrenzung folgt. Die dabei eingesetzten Mechanismen, die das Gefühl der Zugehörigkeit, Stärke und Kontrolle erzeugen sollen, reichen von der Etablierung umfassender Sicherheitssysteme über die Schaffung von Mythen bis hin zur Erzeugung von Feindbildern, die es zu bekämpfen gilt. Gezeigt werden Arbeiten der Künstler*innen Máté Bartha, Eddo Hartmann, Paula Markert und Salvatore Vitale.

In seiner Serie „Kontakt“ aus dem Jahr 2018 beschäftigt sich Máté Bartha (*1987, Ungarn) mit militärischen Sommercamps in Ungarn für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren. Dort zelten sie unter freiem Himmel, wandern, singen gemeinsam, werden aber auch mit Waffen-Nachbildungen militärisch trainiert. Seine Arbeiten zeigen, wie den Mädchen und Jungen Kameradschaft und Patriotismus sowie das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer starken Gemeinschaft vermittelt werden soll. 

In Nordkorea als Fotograf zu arbeiten, ist nahezu unmöglich. Das von einem aggressiv auftretenden Führer regierte Land kontrolliert und zensiert nicht nur alle Informationen, die ins Land kommen, sondern auch die, die hinausgehen. Dennoch hat Eddo Hartmann (*1973, Niederlande) Nordkorea zwischen 2014 und 2017 viermal offiziell bereist und in der Hauptstadt Pjöngjang fotografiert. Die Aufnahmen seines Projektes „Setting the Stage“ zeigen eine mit imposanter Symbolik aufgeladene und nach sozialistischem Vorbild errichtete Millionenstadt, die nicht nur kalt und menschenleer erscheint, sondern v. a. als kurioses Bühnenbild für den selbsterschaffenen Mythos des autoritären Regimes dient.

Der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) hat zwischen 2000 und 2007 in Deutschland neun Personen aus rassistischen Motiven getötet und zahlreiche weitere Straftaten begangen. Erst im Jahr 2013 begann der Prozess gegen die lange unentdeckt gebliebene rechtsextremistische Terrorgruppe. Zu diesem Zeitpunkt startete die Hamburger Fotografin Paula Markert (*1982, Deutschland) ihr Projekt „Eine Reise durch Deutschland. Die Mordserie der NSU“. In Ihrer Arbeit dokumentiert sie Menschen und Orte, die mit der Gruppe in Verbindung stehen, und erzeugt damit ein vielschichtiges Bild der unfassbaren Vorgänge und ihrer bis heute in der Kritik stehenden Aufarbeitung, teilweise auch durch die staatlichen Institutionen.

Wer an die Schweiz denkt, hat meist das Bild eines friedlichen alpinen Idylls im Herzen Europas im Kopf. In der Publikation „How to Secure a Country“ von Salvatore Vitale (*1986, Italien) offenbart sich das Land jedoch auch als hochmilitarisierter Staat, der von einem weitgreifenden Sicherheitssystem und -denken durchdrungen ist. In seiner langjährigen visuellen Recherche befasst Vitale sich damit, wie dies im Umgang mit militärischer Grenzsicherung, IT-Infrastruktur, Cyber-Kriminalität und Terrorismus in seiner Wahlheimat zutage tritt.

Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2021

Auf ihren Ausstellungsflächen im zweiten Stock zeigt die Deutsche Börse Photography Foundation zeitgleich Arbeiten von Poulomi Basu, Alejandro Cartagena, Cao Fei und Zineb Sedira, den Finalist*innen des diesjährigen Deutsche Börse Photography Foundation Prize. Die Ausstellung präsentiert die vier nominierten Künstler*innen, deren mutige und weitreichende Projekte die geographischen Gebiete von Algerien bis China abdecken und sich mit Themen von sowohl lokaler als auch globaler Bedeutung beschäftigen. 

Sie reichen von Poulomi Basus kompromisslos komplexer Darstellung des Konflikts in Zentralindien und Alejandro Cartagenas vernichtender Kritik der Auswirkungen von Wohneigentum und Immobilienentwicklungsprojekten im Norden Mexikos über den enormen Einfluss von Technologien auf persönliche Erfahrungen in Cao Feis dystopischen Multimediaproduktionen bis hin zu Zineb Sediras autofiktiver Erkundung von Erinnerung, Kultur und Zugehörigkeit. Alle nominierten Projekte haben eines gemeinsam: Sie nutzen die Fotografie zur Vermittlung subjektiver Wahrheiten und zur Infragestellung politischer Realitäten. Für die renommierte Auszeichnung, die die Foundation jährlich gemeinsam mit der Photographers’ Gallery in London vergibt, werden Künstler*innen und Projekte nominiert, die in den vorangegangenen zwölf Monaten  – in Form einer Ausstellung oder Publikation – einen bedeutenden Beitrag zur Fotografie in Europa geleistet haben. 

Die von Anna Dannemann kuratierte Ausstellung wird parallel vom 25. Juni bis 26. September 2021 in der Photographers’ Gallery in London ausgestellt. In diesem Jahr feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen und auch der Photography Prize wird in diesem Jahr zum 25. Mal vergeben. Der oder die Gewinner*in der mit 30.000 £ dotierten Auszeichnung wird dort am 9. September 2021 verkündet. 

Informationen für Besucher: 
Die Ausstellungen können nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Hier finden Sie alle aktuellen Termine zu den Führungen. Darüber hinaus sind beide Ausstellungen im Rahmen unserer "Open Saturdays" von 11 bis 16 Uhr ohne vorherige Anmeldung zugänglich, der erste Termin findet am 19. Juni 2021 statt. Weitere Informationen zum Hygienekonzept für Ihren Besuch finden Sie auf unserer Homepage.
Adresse: The Cube, Mergenthalerallee 61, 65760 Eschborn


Über die Deutsche Börse Photography Foundation

Die Deutsche Börse Photography Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Die Schwerpunkte ihrer Aktivitäten sind das Sammeln, Ausstellen und Fördern von zeitgenössischer Fotografie. Die 1999 ins Leben gerufene Art Collection Deutsche Börse umfasst mittlerweile über 2.000 Arbeiten von mehr als 130 Künstler*innen aus 27 Nationen und ist öffentlich zugänglich. Gemeinsam mit der Photographers’ Gallery in London vergibt die Foundation jährlich den renommierten Deutsche Börse Photography Foundation Prize. Die Förderung von jungen Künstler*innen ist der Stiftung ein besonderes Anliegen, sie fördert sie auf vielfältige Weise, wie mit Auszeichnungen, Stipendien oder ihrer Beteiligung am Foam Talent-Programm. Des Weiteren unterstützt die Stiftung Ausstellungsprojekte internationaler Museen und Institutionen sowie den Ausbau von Plattformen für den wissenschaftlichen Dialog über das Medium Fotografie.